Archiv für die Kategorie Epic Fantasy

Kote und Kvothe

Erzähltextanalyse der Königsmörder-Chronik von Patrick Rothfuss

Bei einer Chronik handelt es sich um eine Geschichts-Prosa, die historische Ereignisse in zeitlicher Reihenfolge geordnet darstellt. Chroniken reichen von knappen, reinen Datenlisten bis zu ausführlichen Schilderungen für einzelne Jahresereignisse und wie bei der Fantasy-Erzählung dieser Studie auch um individuelle Biographien mit Herkunfts- und Familienhintergrund. Nicht verschwiegen werden darf, dass Chroniken immer fiktive Texte sind, selbst so historisch bedeutende Texte wie die Germania oder die Annalen des Tacitus, die Angelsächischen Chroniken oder die Gesta Danorum des Saxo Grammaticus.
Eine berühmte Chronik der neueren Fantasy-Literatur ist der Lebensbericht von Fitz Chivalric Weitseher, [1] in der ein Ich-Erzähler seine Biographie mit der Geschichte der Weitseher-Dynastie und des Königreichs der sechs Provinzen verwebt. Robin Hobb bedient sich in ihrer Weitseher-Serie des Ich-Erzählers, Fitz Chivalric Weitseher, der seiner Lebensgeschichte einen Kommentar vorausschickt, in dem er auf seine besondere Herkunft hinweist.

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George R.R. Martin – A Dance with Dragons

Ein kommentierter Überblick

Der Roman A Dance with Dragons ist der fünfte Band der epischen Fantasy-Serie A Song of Ice and Fire des amerikanischen Autors George R. R. Martin.

A Song of Ice And Fire, Vol: 5, 2005 [DwDr]

In der deutschen Übersetzung sind dies die beiden Halbbände:
Das Lied von Eis und Feuer
Bd. 9: Der Sohn des Greifen, 2011
Bd. 10: Ein Tanz mit Drachen, 2012
[LEF 5.1 / LEF 5.2]

LEF_5

Die Veröffentlichung des fünften Bands von Das Lied von Eis und Feuer war bereits für 2006 angekündigt; erschienen ist er aber erst im April 2011. Martin händigte seinem Verleger ein 1500 Seiten starkes Manuskript aus. Ursprünglich plante G.R.R. Martin eine Trilogie, und A Dance with Dragons sollte der Titel des zweiten Bands werden; später dann der Titel des vierten Bandes.
Wie A Storm of Swords für die britische Taschenbuchpublikation in zwei Halbbänden – Steel and Snow und Blood and Gold – erschien, wurde zuerst auch die Veröffentlichung von A Dance With Dragons in zwei Halbbänden angekündigt – Dreams and Dust und After the Feast.

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Kruppes Träume

Zweiter Kommentar zu Steven Eriksons Roman Die Gärten des Mondes 1

Und wenn dieser Mann dich in deinen Träumen sieht,
[. . .] dann wird der Windhauch seines Vorbeiziehens
deine steifen Glieder bewegen
als würdest du laufen . . .
2

Die Nacht war finster
während ich wanderte
mein Geist nicht gebunden an Erde oder Stein [. . .]
3

In einem Interview äußerte Steven Erikson im Mai 2000 über seinen Protagonisten Kruppe, dass er mit dessen Charakter sein dirty work, subversive-wise abgeliefert habe. Funny how the most easily written work I`ve ever done turned out to be the most challenging for readers 4. Auf die Frage, ob er Kruppe von Beginn an als Hauptprotagonist konzipiert hat, oder er erst im Verlauf des Schreibens dazu wurde, antwortet S.Erikson in einem anderen Interview:

Kruppe couldn’t be anything but central, at least in his own mind. He`s great fun to write, because his game is with language. The opening scene where he encounters his vices and virtues did indeed come out of nowhere, but it certainly set the stage in my mind for how he was going to be from then on. [. . .] Kruppe became a kind of narrator / orator in a Greek play, always ready to comment on the goings on with a sly wink 5.

.

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Portale, Übergänge, Gewirre

Erster Kommentar zu Steven Eriksons Roman Die Gärten des Mondes 1

Er reiste jetzt auf einem dieser Pfade, einem Strang aus Nichts,
umschlossen von den eigenen Zuwächsen des Gewirrs,
sich windend und beladen mit Unvereinbarkeiten.
Auf einem Pfad wünscht er sich vorwärts und stellte fest,
dass er sich rückwärts bewegte
.
Steven Erikson 2

Vorbemerkung

Absicht dieser sehr speziellen Studie ist es, Ordnung und Verständnis in das Gewirr eines narrativen Motivs zu bringen, dass in der Fantasy schon immer gerne benutzt wurde: des Motiv des Portals in einem unkonventionellen Gewand. Im Auftakt der mehrbändigen Serie Das Spiel der Götter, Die Gärten des Mondes, verwendet Steven Erikson das Motiv der Gewirrs als ein zentrales magisches System. In den Sturmlicht-Chroniken entwirft Brandon Sanderson eine vergleichbare Magie, die auf der Ur-Substanz Adonalsium basiert: die verschiedenen Arten des Peitschens und die Inkorporation von Sturmlicht. In der Serie um das Geheimnis von Ji verwendet Pierre Grimbert ein Magiesystem, das Energie aus dem eigenen Körper des Magiers oder aus Gegenständen der Umgebung bezieht. Die Gewirre, die Steven Erikson erdacht hat, funktionieren auf die gleiche Weise: Immer nutzt und manipuliert der Magier eine Quelle, die ihm die Energie für seine magischen Rituale und Praktiken liefert 3.
Der S.Erikson macht es dem Leser nicht leicht, Charakter und Bedeutung dieses Systems zu erkennen, da er die dazu notwendigen Informationen über den ganzen Roman verteilt. Er stellt dem Leser keinen erklärenden Protagonisten zur Seite, der einleitend und zeitnah rationale oder strukturierende Hilfen für seine Fantasy anbietet, sondern mutet dem Leser mysteriöse und komplizierte Prozesse und Ereignisse zu, wie sie das einführende Zitat vorwegnimmt. Der Leser muss sich selbst das Bild zu machen, das der Autor nur allmählich und sehr zögerlich entfaltet. Mein folgender Kommentar beabsichtigt, was die Gewirre betrifft, dieses Verständnis aus dem Roman heraus zu destillieren.

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High Fantasy

. . . looks like science fiction,
has the tastes of science fiction
– it IS science fiction!

Margaret Atwood, Other Worlds, 2010

Wenn etwas nach Fantasy aussieht und auch noch die charakteristische Gestalt besitzt, dann IST es Fantasy. Margaret Atwoods bestechend enfache Bemerkung bringt ein ganzes literarisches Genre auf den Punkt und überlässt die Bewertung der Imaginationsfähigkeit dem Rezipienten. Schon Fritz Leiber hat in seinem phantastischen Werk vorgeführt, dass der von Kritikern und Publizisten geführte Genre-Krieg bedeutungslos ist, indem er die drei Genre des Phantastischen, Science Fiction, Horror und Fantasy, virtuos miteinander kombinierte, sie überlagerte und zu einem Genre des Phantastischen verwob.1

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