Archiv für März 2015

Der Abstieg in die Unterwelt

Der Olympier Pluto ist Herrscher über eine ganz besondere Unterwelt, die Innenwelt der menschlichen Psyche. Zwangsläufig repräsentiert Pluto deshalb auch den Schatten, den Doppelgänger, das abgelehnte Böse, für das Goethe den Namen Mephistopheles fand, und der zuletzt nichts anderes ist als Fausts leidenschaftliches Streben nach Selbstverwirklichung und Verwandlung seines Selbst. All die verleugneten, deshalb aber nicht unbedingt minderwertigen Anteile einer Persönlichkeit, archaische Einstellungen von mitunter gewalttätiger psychischer Energetik, unterliegen dem Einfluss Plutos, mit anderen Worten: die Abgründe der menschlichen Seele. Pluto besitzt eine unmittelbare Assoziation zum Dämonischen. Er wird – wie die Mythologie zeigt – eher mit dem Unterweltlichen (Hades, Hölle) als mit dem himmlischen Elysium verbunden wo sein Bruder Jupiter und die anderen Olympier herrschen. Zwang, Unterdrückung, Missbrauch, Besessenheit und Manipulation sind Aspekte der dunklen Seite Plutos, Transformation, Erneuerung und Wiedergeburt dienen seinem schöpferischen Aspekt.

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Lichtträger in dunkler Zeit

Die Astrologie entstand, nachweisbar vor 5000 Jahren im Zweistromland, als eine Weltanschauung vom harmonischen Zusammenwirken von Himmel, Erde und Mensch, verbunden in einer gemeinsamen Ordnung. Gemäß der astrologischen Theorie ist der Mensch solcherart in kosmische Prozesse integriert, dass er sich durch die symbolische Klassifikation der Planeten und Tierkreiszeichen ein Bilderbuch der menschlichen Seele (W. Knappich) geschaffen hat, Archetypen (C.G. Jung) oder Wesenkräfte (Th. Ring) als dynamische Ur-Prinzipien. Auf diese Weise korreliert seine innerpsychische Befindlichkeit mit den Funktionen und Prinzipien des Universums, entsteht in seinem Leben Sinn und Zusammenhang: Mikro- und Makrokosmos in Entsprechung und Ergänzung. Diesen Gedanken nachzuspüren und die mythologische Denkweise dem westlichen Rationalismus wieder nahe zu bringen, ist ein lohnendes Ziel.

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Night of Knives

Magisch, unheimlich und brilliant: Ian Cameron Esslemonts erste Novel of the Malazian Empire

Wer Steven Eriksons Serie des Malazian Book of the Fallen gelesen hat, erkennt das Setting wieder, nicht aber die ganz andere Atmosphäre in den Novels of the Malazian Empire von Ian Cameron Esslemont. Als der Roman Die Gärten des Mondes [1] 1999 veröffentlicht wurde, war die Idee für den Entwurf des Imperiums von Malaz bereits 17 Jahre alt. Aus der Taufe gehoben wurde die Geschichte dieser fiktiven Welt als A Tale of the Malazian Book of the Fallen bereits 1982 als Gemeinschaftsarbeit der beiden kanadischen Autoren, Steven Erikson [2] und Ian Cameron Esslemont. [3] Gemeinsam arbeiten sie seitdem an der Realisierung dieser huge imaginary world, [4] die ihnen zu umfangreich erschien, um von einem Autor in einem Leben bewältigt zu werden. Den ersten Roman seiner Malaz-Serie, Die Gärten des Mondes, widmete Steven Erikson seinem Freund und Mit-Autor mit den Worten: Welten zu erobern, Welten zu teilen. [5] Als dann 2005 Esslemonts erster Malaz-Roman, Night of Knives, [6] sechs Jahre nach der Veröffentlichung von Eriksons Garden of the Moon erscheint, schreibt dieser seinem Freund in die Einführung zu dessen Roman:

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Tolkiens Earendil-Saga

Earendil ist eine der wichtigsten mythologischen Gestalten im erzählerischen Werk von J.R.R. Tolkien. Seine Earendil-Saga gehört zu den Erzählungen der Älteren Tage (Legends of the Elder Days).

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Das Antlitz Chirons

Mythologische Reflexionen für Astrologen

Chirons Geburt, und damit seine soziale Identität, umweht ein Geheimnis, das die überlieferten Mythen nicht unmittelbar offenbaren. Liest man die Mythen oberflächlich und missversteht ihre symbolische Bildsprache, so erscheint Chiron in extremer Ambivalenz, in einer Spannung, die sich besonders in der Unterschiedlichkeit der griechischen und römischen Überlieferung äußert: Seiner Gestalt nach ist er ein Kentaur, wild, triebhaft, gewalttätig und unzivilisiert, ein abstoßendes Mischwesen; seinem Wesen nach ist er ein Gott, unsterblich, weise, ein Freund und Helfer der Menschen, auf jeden Fall aber von sanfterem Temperament als seine Artgenossen. Was Chiron von den anderen Kentauren unterscheidet ist, um einen psychoanalytischen Begriff zu verwenden, seine Fähigkeit zur Sublimierung.

Chirons Verletzung ist nicht irgendeine beliebige Wunde, denn sie wurde auf eine besondere Weise verursacht. Nachdem Herakles die lernäische Hydra, eine Repräsentantin des dunklen Aspekts der Erdgöttin, getötet hatte, tauchte er die Spitzen seiner Pfeile in das giftige Drachenblut. Versehentlich verletzte Herakles Chiron mit einem dieser Pfeile am Bein, wodurch dieser eine nicht heilende Wunde davontrug, die er allein seiner Unsterblichkeit wegen überlebte.

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