Die Óðinn-Texte

Die eng miteinander verknüpften Óðinn-Texte wurden ab 2000 bereits im inzwischen geschlossenen Wissenschaftsportal Vingilot veröffentlicht. Als Einheit betrachtet, fahnden sie nach der Identität eines altnordischen Gottes, der sich als Repräsentant oder auch als Avatar in der modernen Fantasy-Literatur großer Beliebtheit erfreut. Die bekannteste Óðinn-Figur ist der weltweit bekannte Zauberer Gandalf, der diesen Archetyp im Herrn der Ringe repräsentiert. Die Óðinn-Texte im einzelnen sind:

  • Óðinn-Wodan – Eine kurze Etymologie
  • Óðinn – Portrait eines Gottes
  • Ekstase und Bewusstseinserweiterung
  • Met aus Gunnlöðs Halle
  • Mál er at þylja

Gemeinsam verfolgen diese Studien das Ziel, mythologische Rolle und Funktion dieser altnordischen Gottheit zu charakterisieren. Dabei wird ein besonderer Schwerpunkt auf den religiösen und kulturellen Kontext gelegt. Absicht dieser Studien ist auch, diejenige antike Weltanschauung zu beleuchten, die als die germanische bezeichnet wird. Das Mythologem des Asen Óðinn in der altgermanischen Mythologie steht zwar im Vordergrund dieser Analysen, gleichzeitig wurde aber auch der Versuch unternommen, die altgermanische Kultur aus ethnologischer Perspektive nachvollziehbar zu beschreiben.

Beginnend mit einer kurzen etymologischen Darstellung der beiden Namen Óðinn und Wodan, die nord- und kontinentalgermanische Repräsentation dieser Gottheit (Óðinn-Wodan – Eine kurze Etymologie), verfolgt die zweite Studie die mythische Konzeption dieses Gottes in den nordgermanischen Quellen des skandinavischen Mittelalters (Óðinn – Portrait eines Gottes) in Funktion und Gestalt Óðinns.

Wenn auch bereits im zweiten Text erörtert, geht die Studie Ekstase und Bewusstseinserweiterung erneut, diesmal spezieller und intensiver, auf die in den eddischen Texten berichtete Entwicklung des Gottes Óðinn als Begründer und Bewahrer von Wissen, Sprache und Schrift ein. Abschließend greift der vierte der Óðinn-Texte noch einmal dessen Rolle als Dichter-Fürst heraus und fokusiert dessen mythische Rolle hinsichtlich der Dichtkunst und der mündlichen Überlieferung kulturspezifischen Wissens.

Die eigenständige Studie Mál er þylja thematisiert die mündliche Dichtung und rituelle Rede der Nordgermanen wie sie den eddischen Dichtungen zu entnehmen ist. Der Schwerpunkt dieser Untersuchung ist dem Þulr, dem altgermanischen Dichter-Sprecher, gewidmet, seiner Beziehung zu Óðinn und seiner gesellschaftlichen Funktion in den altgermanischen Kulturen. In der norrönen Kultur waren drei Spezialisten mit der Produktion besonderer Textsorten betraut, die ein sekundäres modellbildendes System auf der Grundlage einer formal gebundenen Sprache pflegten. Diese Funktionsträger komponierten und überlieferten poetische Texte, deren Fragmente größtenteils in den unterschiedlichen, auf mittelalterliche Handschriften zurückgehenden Sammlungen der Lieder-Edda oder Eddica Minora zusammengefasst sind. Sogenannte lose Strophen (lausavísar) schmücken viele der Fornaldarsögur und Íslendingasögur oder Preislied und Preisdichtung, die in den aristokratischen Kreisen der altgermanischen Kulturen vorgetragen wurden. Obwohl es sich bei diesen Texten um äußerst unterschiedliche Genre, auch um formal sehr verschieden komponierte Dichtungen handelt, und die einzelnen Kompositionen zeitlich weit auseinanderliegen können, sind diese Gattungen doch durch ihre kunstvolle, formal gebundene Sprache als altnordische Dichtung vereint. Deshalb ist auch die große Unterschiedlichkeit der einzelnen Übersetzung in eine andere, insbesondere eine moderne Sprache, von besonderer Schwierigkeit, tangieren diese doch die von Hermann Schmitz und Jurij Lotman vorgelegten Definitionen dessen, was als Dichtung gelten darf.

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