J.R.R. Tolkien – biographisch

Eine biographische Notiz

»Remember what is gone –
The magic sun that lit Kortirion!«

J.R.R. Tolkien 1

JRR Tolkien

J.R.R. Tolkien, Professor für englische Sprache an der Universität Oxford, hatte seit seiner Jugend an einer eigenen Mythologie gearbeitet, die auf konstruierten Sprachen basiert, und die sein jüngster Sohn Christopher erst nach seinem Tod, 1977, unter dem Titel The Silmarillion (Von den Silmarilli) in überarbeiteter und vervollständigter Form veröffentlichte.
Der Hobbit (1937), Der Herr der Ringe und auch Das Silmarillion spielen in von Tolkien erfundenen Welten wie Mittelerde, Beleriand oder Númenor.
Einige seiner sprach- und literaturwissenschaftlichen Beiträge beispielsweise sein Essay Beowulf: The Monsters and the Critics (1936) gelten als bedeutender philologischer Beitrag.

John Ronald Reuel Tolkien (03.01.1892 in Bloemfontein, Oranje-Freistaat / 2. September 1973 in Bournemouth, England) war ein britischer Schriftsteller und Philologe. Sein Roman Der Herr der Ringe, erstmals 1969-1970 erschienen (The Lord of the Rings, 1954-1955,) ist eines der erfolgreichsten Bücher des 20. Jahrhunderts und begründete die moderne Fantasy-Literatur.

Schon in seiner Jugend interessierte Tolkien sich für Sprachen, altenglische und altnordische Mythen, Sagen und Märchen sowie phantastische Erzählungen. Während seiner Schulzeit vertiefte er seine philologischen Interessen und lernte die altenglische Literatur, vor allem, das Beowulf-Lied, kennen. In dieser Zeit beschäftigte er sich auch mit den Dichtungen Sir Gawain and the Green Knight und Pearl, über die er später eigene wissentschftliche Arbeiten vorlegte. Schließlich wandte er sich auch dem Altnordischen und denMythen und Sagas dieser Kultur zu, die er im Original las. Seine neu erworbenen linguistischen Kenntnisse, seine Experimentierfreude sowie sein Gefühl und Talent für Sprachen ermöglichtem ihm schon in seiner Schulzeit, eigene, künstliche Sprachen zu erfinden.

1911 gründete Tolkien mit einigen Freunden den T.C.B.S. (Tea Club – Barrovian Society), einen Club, der sich regelmäßig traf, um über literarische Fragen zu diskutieren. In diesem Kreis, so heißt es, soll Tokien, von Francis Thompson inspiriert, seine ersten Gedichte vorgetragen haben.
Ende 1911 nahm Tolkien sein studium am Exeter College in Oxford auf. Zunächst studierte er die klassischen Sprachen (Latein und Griechisch), beschäftigte sich mit der Literatur dieser antiken Kulturen, lernte Walisisch und fand darüber hinaus zur Vergleichenden Sprachwissenschaft. Nach 1912, schreibt sein Biograph, begann Tolkien sich mit dem Finnischen auseinanderzusetzen und lernte die Kalevala kennen. Jahre später nutzte er diese Studien bei der Konstruktion der Hochelbensprache Quenya.
Aufgrund seines zunehmenden Interesses an den germanischen Sprachen wechselte er ab 1913 in das Institut für englische Sprache und Literatur. Dort las er im Rahmen des anspruchsvollen altenglischen Literaturkanons das Werk Crist des angelsächsischen Dichters Cynewulf, dem er seine Inspiration für den Earendil-Charakter des Silmarillion und der Welt Mittelerde (middangeard) verdankte:

ala Earendel engla beorhtast
ofer middangeard monnum sended

Heil dir Earendel, strahlendster Engel,
über Mittelerde den Menschen gesandt

Tolkien war davon überzeugt, dass der Name Earendel (Lichtstrahl), auf den Morgenstern, die Venus, verweist, der mit seinem Aufgehen das Ende der Nacht und den Anbruch des Tages ankündigt.
Dieses beinahe mystisch anmutende Erlebnis kann wohl als die Geburtsstunde der Tolkienschen Mythologie angesehen werden: I felt a curious thrill, as if something had stirred in me, half wakened from sleep. There was something very remote and strange and beautiful behind those words, […] far beyond ancient English.
Man kann annehmen, dass hier die Inspiration für Tolkiens Mythologie liegt, denn schon ein Jahr später schrieb er das Gedicht The Voyage of Earendel the Evening Star, das mit den oben zitierten Zeilen beginnt. Von einem Freund auf die Bedeutung des Earendil-Gedichts angesprochen, soll er geantwortet haben: I don’t know. I’ll try to find out. Dieses schriftstellerinsche Credo ist charakteristisch für Tolkien, der sein Werk nicht als Neuschöpfung, sondern als Entdeckungsreise verstanden hat – seine Mythologie, eine andere Welt, in der er sich forschend bewegen konnte.

JRR Tolkiens Teilnahme am ersten Weltkrieg endete 1916, als er sich in den Schützengräben der Somme-Schlacht mitFleckfieber infizierte und zurück nach England kam. Noch während seines Genesungsaufenthalts begann er ein literarisches Projekt, das in der damaligen Literatur ohne Vorbilder war: der Erschaffung eines vollständigen Sagenzyklus, der mit einer Kosmogonie beginnt und mit der Earendil-Saga endet, den Erzählungen des The Book of Lost Tales, das später als The Silmarillion von Ch. Tolkien publiziert wurde. Schon hier verwendete Tolkien als narrativen Hintergrnd die von ihm erfundenen Sprachen der Eldar, Quenya, und Edain, Sindarin, mit einer funktionalen Grammatik und umfangreichen Vokabular.

Als 1925 der Rawlinson-und-Bosworth-Lehrstuhl für Angelsächsisch in Oxford vakant wurde, bewarb sich Tolkien und erhielt Anstellung, unter anderem durch die Qualität seiner Sir Gawain-Übersetzung. 1926 gründete Tolkien dort die Kolbitar (Kohlenbeißer), einen Literaturkreis, der sich mit den isländischen Sagas und den Edda-Texten beschäftigte, die im Original gelesen wurden. 1927 schloss sich auch Clive Staples Lewis (Die Chroniken von Narnia) dem Kreis an und wurde ein enger Freund und Kritiker Tolkiens.

Schon in den frühen 1920er und 1930er Jahren begann Tolkien seinen Kindern fantasievolle Geschichten zu erzählen. Aus dieser Zeit stammt beispielsweise die Erzählung Roverandom, die auf das Verschwinden eines Spielzeughundes seines zweiten Sohnes Michael zurückgeht. Obwohl Tolkien damals bereits an der Konstruktion seiner fiktionalen Mythologie arbeitete, fehlen Bezüge in diesen Erzählungen fast völlig.
Dies änderte sich mit dem Roman Der Hobbit, an dem Tolkien ab 1930 zu arbeiten begann. Hier finden sich Verweise auf die Verlorenen Geschichten – Gondolin, das Erste Zeitalter, der Nekromant – die im Hobbit eine historische Tiefe und ein mytholgisches Fundament andeuten. Durch Empfehlung wurde der Verlag Allen und Unwin auf seine Erzählung aufmerksam, die dann 1937 veröffentlicht wurde.
Durch den Erfolg des Hobbits drängte der Verlag Tolkien zu einer Nachfolgeerzählung, die er zunächst als weiteres Kinderbuch anlegte, und die den Keim zu Der Herr der Ringe enthielt.
Ende der 1930er Jahre hielt Tolkien bei den Inklings, einem weiteren literarischen Club, dem er angehörte, den vielbeachteten Vortrag On Fairy-Stories (Über Märchen), in dem er die Grundsätze des später entstehenden Fantasy-Genres beschrieb und energisch gegen die Vorwürfe des Eskapismus verteidigte.
Durch seinen Perfektionsmus und den Wechsel auf den Lehrstuhl für Anglistik der Universoität Oxford im Jahre 1945, beendete JRR Tolkien seine Arbeit an seinem Opus magnum, Der Herr der Ringe, erst – und zwar auch nur auf Druck seines Verlegers – 1954. Die vom dem amerikanischen Verlegern Donald A. Wollheim von Ace Books für 1964 geplante Taschenbuch-Neuauflage lehnte Tolkien aus Qualitätsgründen ab. Diese Zurückweisung führte dazu, dass D.A. Wollheim eine Lücke in den Urheberrechten nutzte, um einen Raubdruck des Herrn der Ringe zu veröffentlichen. Dieserin den Vereinigten Staaten publizierte und in Umlauf gebrachte Raubdruck begründete den Weltruhm des Werks und löste eine Kultbewegung unter den Studenten aus.

Seine weitere schriftstellerischen Arbeit widmete JRR Tolkien der Ausarbeitung des Silmarillion, dem Herzstück seiner fiktiven Mythologie, das er aber bis zu seinem Tod nicht fertigstellen konnte. Im Zusammenhang mit dieser Arbeit entstand ein umfangreicher Korpus an Notizen und alternatven Versionen zu den einzelnen Erzählungen des Silamrillion, die Tolkiens Sohn Chistopher von 1983 bis 1996 in der 12bändigen The History of Middle-earth bearbeitet herausgab.

Quellen

Wikipedia, deutsch
Wikipedia, englisch

Relevante Websites

The Tolkien Society
The Tolkien Estate
Die Deutsche Tolkien Gesellschaft e.V.
The Journal of the Inklings Studies
Tolkien Gateway
Parma kenta – Enquiry into the books thoughts and works of J.R.R. Tolkien and related subjects

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